Kompetenzerweiterung im Umgang mit herausforderndem Verhalten (BPSD)

Bedingt durch den demografischen Wandel suchen immer mehr Menschen mit Demenz Hilfe in Krankenhäusern. Vier von fünf dieser Patient*innen zeigen ein so genanntes herausforderndes Verhalten, wie z. B. Unruhe mit Weglaufgefährdung, ständiges Rufen oder abwehrendes und aggressives Verhalten bei Untersuchungen oder Behandlungen.

Der Umgang mit diesen Patienten ist für die Beschäftigten mit hohem zusätzlichem Stress verbunden. Hinzu kommt, dass in der Versorgung eine wachsende Zahl von zugewanderten Fachkräften tätig ist, die aufgrund von Sprachbarrieren vor zusätzlichen Herausforderungen in der Verständigung mit Patienten stehen.

Gelingt es vor diesem Hintergrund nicht, die Belastung für alle Beteiligten zu reduzieren, entstehen extreme Stress-Situationen bis hin zu Gefahren für die Patientensicherheit, etwa wenn sich Personen unbemerkt aus dem Krankenhaus entfernen oder Behandlungen aufgrund von Abwehrverhalten abgebrochen werden müssen.

Im Rahmen von Skills4Dem werden fachlich hochwertige und zugleich arbeitsnah einsetzbare Unterstützungsformate in Form von eLearning-Materialien, einer App und mehrsprachigen Angeboten entwickelt.

 Zugrundeliegendes Kompetenzmodell (vgl. Kopf, Leipold, Seidl 2010):

  • Fachwissen (z. B. medizinische und pflegerische Grundlagen, Pharmakologie, Umgebungsgestaltung)
  • Methoden (z. B. hilfreiche Instrumente, Deeskalationsstrategien)
  • Persönliche Kompetenz (z. B. Selbstreflexion, Resilienz, Humor)
  • Soziale Kompetenz (z. B. Empathie, Rollenwechsel, Kommunikation)

 Aufbau des Gesamttableaus der Lernnuggets:

Die Skills4Dem-Module wurden spiralcurricular und kompetenzorientiert strukturiert. Ausgehend von einem Grundlagenmodul können die weiteren Module flexibel von den Teilnehmenden ausgewählt und bearbeitet werden. Die Inhalte der einzelnen Module (Nuggets) sind vernetzt, was den nachhaltigen Aufbau von beruflicher Handlungskompetenz im Kontext von Demenz besonders unterstützt. Modul 1 legt die Grundlagen für die weiteren Elemente, die dann je nach Lernbedarf und Interesse zeitlich beliebig auswählbar sind.

Angestrebtes Lernergebnis: Die Pflegefachpersonen können auch bei Menschen mit eingeschränkter Mitteilungsfähigkeit Schmerzen erkennen und verfügen über Strategien zum Umgang mit Abwehrverhalten.

Einzelne Lernelemente:

  1. Einstiegs-Lernelement: Grundlagen der Schmerzerkennung und -einordnung bei Menschen mit Demenz ohne Testverfahren (z.B. Beobachtung von Unruhe, Schwitzen, gekrümmte Haltung, Grimassieren, gepresste Atmung, negative Lautäußerungen.
  2.  Aneignung von Überblickswissen zur ersten Schmerzerkennung und zur Visualisierung von Schmerzintensität und -region bei eingeschränkter Mitteilungsfähigkeit. Einbindung der Verhaltensbeobachtungen von Dritten (z.B. Angehörige, Hausärzt:innen, Betreuer:innen, ambulante und stationäre Langzeitpflege). 

  3. Überblick zu systematischen Schmerz-Assessments z.B. BESD-Skala (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz), BISAD (Beobachtungsinstrument für das Schmerzassessment bei alten Menschen mit Demenz), ZOPA (Zürich Observation Pain Assessment) 

  4.  Nicht-medikamentöse Schmerzbehandlung bei Demenz

  5. Begleitende institutionell-organisatorische Maßnahmen zur Unterstützung eines adäquaten Schmerzmanagements bei schmerzbedingten Abwehrverhalten (z.B, Ausbildung spezialisierter Pain Nurses, konsiliarische Einbindung von Fachärzten der Geriatrie, Gerontopsychologie und Anästhesie

  6. Abschluss-Lernelement (Lessons Learned)